Daniel Graf

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Wenn dein Kind eine ADHS-Diagnose erhält

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Wie weiter, wenn dein Kind eine ADHS Diagnose erhalten hat? Als betroffener Vater sprach ich mit bajour.ch über die Versorgungskrise in Basel, meine positiven Erfahrungen mit einer Elterngruppe und den angeblichen «Therapiekult».  👉 https://bajour.ch/a/psychische-gesundheit-und-adhs-versorgungskrise-basel

Die Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen mit Neurodiversität ist in Basel so prekär wie fast überall in der Schweiz. Die Wartezeit für eine ADHS-Diagnose beträgt bis zu acht Monate. Und die Therapieplätze sind ausgebucht. Kinder müssen ein bis zwei Jahre auf einen Platz warten – es sei denn, eine Familie bezahlt ein ADHS-Coaching aus der eigenen Tasche, was sich die wenigsten leisten können.

Was jetzt dringend gebraucht wird, sind vor allem niederschwellige Angebote, um sich als Eltern gut und kompetent beraten zu lassen. Für mich war die Elterngruppe der Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) eine sehr gute Erfahrung. Der Austausch mit anderen Eltern auf Augenhöhe – zusammen mit praktischen Informationen von engagierten Fachleuten – war für mich wichtig.

Denn fast jeden Tag gibt es so genannte “F*** Up”-Momente, in denen man sich alleine fühlt und seinem Kind nicht die Unterstützung geben kann, die du dir wünschst. Hier waren Tipps und Tricks von anderen, betroffenen Eltern sehr hilfreich.

Das Highlight in der Elterngruppe war für mich der offene Austausch über die Medikation bei ADHS. Ich hatte viele Fragen. Danach war für mich klar: Es ist eine gute Entscheidung, es einfach auszuprobieren. Medikamente allein lösen nicht alle Probleme. Sport, gesunde Ernährung und Verhaltensänderungen gehören auch dazu. Aber für viele Kinder und Eltern ist es eine Chance, das Ganze entspannter anzugehen. Denn was sonst immer fehlt, ist die Energie, am Ball zu bleiben.

Es kostet auch viel Kraft, als betroffene Eltern über die Versorgungskrise zu sprechen, die so viel Unsicherheit und Leid verursacht. Die Politik muss jetzt handeln! Es braucht in jedem Kanton eine Task Force, um die mangelhafte Gesundheitsversorgung für neurodivergente Menschen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, zu verbessern. Jahrelange Wartezeiten, fehlende Therapieplätze, ungenügende Information – damit muss Schluss sein!

Unerträglich ist, dass Politiker:innen die Krise in der Gesundheitsversorgung für billige Propaganda in eigener Sache nutzen. Dies tat kürzlich der FDP-Parteipräsident Thierry Burkart im Tagesanzeiger für seine «Bildungspolitik». Wörtlich sagte er im Interview: «Die vielen Abklärungen und Therapien führen zu einer Pathologisierung der Kinder.»

Das Schlimme daran: Niemand hat Burkart öffentlich widersprochen! Auch ich hatte an diesem Tag weder die Energie noch – ganz ehrlich gesagt – den Mut, zu widersprechen. Dabei sind die Fakten klar: Mehr Aufklärung führt dazu, dass Betroffene frühzeitig Hilfe erhalten und folgenschwere Entwicklungen, gerade bei Kindern und Jugendlichen, verhindert werden können.

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