Daniel Graf

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E-Voting zuerst war ein teurer Fehlentscheid

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«Die Schweizer Demokratie hat keine Usability-Probleme, die E-Voting lösen müsste. Der Postweg funktioniert. Die Abstimmungslokale stehen allen offen. Die Stimmbeteiligung ist seit Jahren stabil. Und kein seriöses Institut hat je belegt, dass E-Voting mehr Menschen an die Urnen bringt. Was (flächendeckendes) E-Voting hingegen tatsächlich bringt, sind Probleme. Was wir damit verlieren können, ist bedeutend grösser als der mögliche Gewinn.

In die Urne gehören nicht nur Stimmzettel, sondern auch E-Voting – und zwar eingeäschert», schreibt Reto Vogt in dnip.

👉 https://dnip.ch/2026/03/13/vogt-am-freitag-urne

Hart formuliert, aber Reto hat Recht. Der Bundesrat hat vor über 20 Jahren einen Fehlentscheid getroffen, der den Bund und die Kantone wohl schon 100 (!) Millionen Franken gekostet hat. Das ist eine Schätzung, da es keine Vollkostenrechnung des E-Voting Testbetriebs in der Schweiz gibt.

Um das Jahr 2000 hat der Bundesrat in seiner «Vote électronique»-Strategie falsche Prioritäten gesetzt: Er wollte zuerst E-Voting und erst danach eCollecting einführen.

Die Folge: E-Collecting wurde jahrzehntelang depriorisiert – wir haben in der Schweiz weder Forschung noch Fachpersonen zu diesem zentralen Thema für die Digitalisierung der direkten Demokratie.

Die Pointe war, dass der ehemalige Bundeskanzler Walter Thurnherr nach dem Debakel der Post nicht nur dem E-Voting vorübergehend den Stecker gezogen hat, sondern gleichzeitig auch dem E-Collecting.

Erst der «Unterschriften-Bschiss» hat die Kehrtwende möglich gemacht. Gestern hat der Ständerat dem neuen Bundesgesetz über politische Rechte zugestimmt (BPR). Darin enthalten ist ein Artikel über einen Versuchsbetrieb für E-Collecting. Die Differenzbereinigung sollte bis zur Sommersession abgeschlossen sein.

So gesehen könnte 2026 noch spannend werden: der Zeitpunkt, wo E-Voting endlich Geschichte wird, ohne je flächendeckend eingeführt worden zu sein – und gleichzeitig der Kickoff für ein System-Update der direkten Demokratie mit E-Collecting.

Und just saying: Das Fundament dafür haben wir mit der E-ID gelegt. Nicht nur wegen der Infrastruktur, sondern auch wegen des Mindshifts in den Köpfen.

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