Daniel Graf

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ADHS im Bundeshaus?

Grafik: «ADHS im Bundeshaus!?» über dem Bundeshaus, darunter Popcorn und «Popcorn-Gedanken zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen»

ADHS im Bundeshaus? Wenn es stimmt, dass «neurodivers» sein zur Mode-Diagnose geworden ist, dann müssten doch mehr als 10 von 246 Parlamentarier:innen längst auf den Trend aufgesprungen sein? Und 5 Prozent wären im kreativ-chaotischen Berufsfeld Politik wohl noch vorsichtig geschätzt.

Doch wer in der Wandelhalle nach neurodivergenten Parlamentarier:innen sucht, muss lange suchen. Zumindest öffentlich bekennt sich bisher kaum ein aktuelles Mitglied des National- oder Ständerats zu einem «Neurotribe» – also zu Autismus, ADHS, Dyskalkulie, Legasthenie, Dyspraxie oder Synästhesie.

Diese Leerstelle im Bundeshaus passt besser ins Bild als der Hype. Und mit dem Begriff «Neurodiversität» können wohl die wenigsten etwas anfangen. Auch im Duden steht er erst seit 2024. «Neu|ro|di|ver|si|tät – nicht als krankhaft, sondern als natürliche Vielfalt aufgefasste neurobiologische Entwicklungsspezifiken beim Menschen».

Vielleicht erklärt die Duden-Definition, warum sich im Bundeshaus wenige mit ADHS & Co. zeigen. In der Wandelhalle gilt, was im Job und an anderen Orten die Regel ist: Kaum wer möchte als nicht «neurotypisch» gelten – also unter einer «psychischen Störung» leiden. Darum verstecken sich Betroffene lieber, um nicht diskriminiert zu werden. Also herabgesetzt, schlecht gemacht oder ausgegrenzt zu werden.

Neurodiversität erlaubt dieses Versteckspiel, das «Masking» – also das Unterdrücken oder Überspielen von Verhaltensweisen, um nicht aufzufallen. Ein Privileg, das andere nicht haben. Heute, am internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, ist ein guter Moment, darüber nachzudenken.

Neurodiversität und Behinderung sind zwar oft nicht das Gleiche, aber es gibt viele überlappende Erfahrungen. Wie mein Freund und Nationalrat @islamalijaj sagt: «Behinderung ist das, was behindert.» Es geht also nicht um eine Diagnose oder den Zustand einer Person, sondern um Barrieren, die Menschen im Alltag durch unzugängliche Strukturen und fehlende Unterstützung erfahren.

Je kleiner eine Gruppe ist, desto einfacher ist es, sie auszugrenzen. Deshalb ist Sichtbarkeit wichtig, auch unter der Bundeshauskuppel. Es braucht etwas Mut – auch von mir, wenn ich heute in der Wandelhalle unterwegs bin. Nicht nur als Lobbyist für eine inklusive Gesellschaft, sondern als Selbstbetroffener mit ADHS.

PS: Bitte unterzeichnet den dringenden Appell an Bundesrat und Parlament. Die Schweiz braucht ein Inklusionsgesetz! ✍ inklusions-initiative.ch/appell-bundesrat-parlament

Bundeshaus Politik Schweiz ADHS Neurodiversität Inklusion Initiative @InklusionCH

Das Bundeshaus in Bern - zur Hälfte mit einem Berg Popcorn bedeckt.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 3. Dezember 2024 auf X.

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